Gespaltenes Bild bei den 6- bis 13-Jährigen: Die eine Hälfte liest gerne und regelmäßig - die andere nicht.
„Die Kinder verbinden heutzutage ja eh fast den ganzen Tag vor der Glotze“, „für Bücher interessieren sich die Kinder nicht mehr“, Feststellungen wie diesen begegnet man regelmäßig. Aber entspricht das gezeichnete Bild dem realen Medienumgang der Kinder? Wie sieht die Mediennutzung der Kinder tatsächlich aus? Welche Medien bevorzugen sie und wie häufig nutzen sie sie? Die KIM-Studie 2008, herausgegeben vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, gibt Antworten auf diese Fragen und informiert seit 1999 regelmäßig über den alltäglichen Medienumgang von Kindern in Deutschland. Die Langzeitstudie basiert auf einer repräsentativen mündlich-persönlichen Befragung von 1.206 Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren und einer schriftlichen Befragung ihrer primären Erziehungspersonen.
Die zentralen Ergebnisse 2008
1. Welche Themen interessieren die Kinder?
Zwar spielen Medien eine zentrale Rolle im Leben der Kinder, ihr größtes Interesse gilt jedoch nach wie vor dem Thema „Freunde/ Freundschaft“ (96%) und mehr als drei Viertel begeistern sich für „Sport“, „Schule“, „Musik“ und „Tiere“. Im Bereich der Medien rangieren „Computerspiele“ (67%) ganz oben auf der Interessenagenda, für die Beschäftigung „Bücher/ Lesen“ hingegen kann sich knapp die Hälfte der Kinder begeistern. Mädchen und Jungen präferieren sehr unterschiedliche Themen. Die Jungen bringen beispielsweise den Bereichen „Sport“, „Computerspiele“ und „Autos“ besonders viel Interesse entgegen, die Mädchen bevorzugen hier eher „Tiere“ und „Mode“. Auch beim Lesen lassen sich geschlechtsspezifische Unterschiede feststel¬len. Für 21% der Mädchen ist Lesen wichtig, für die Jungen ist dieses Thema mit 9% kaum von Interesse.
2. Welche Medien stehen den Kindern zur Verfügung?
Die meisten Kinder wachsen im Allgemeinen in Haushalten mit einer sehr guten me¬dientechnischen Ausstattung auf: Fernsehgerät, Handy, Festnetztelefon, Radio und CD-Player stehen in fast allen Familien zur Verfügung. Eine Tageszeitung beziehen indes nur 57% der Haushalte. Die Zahl der privaten Internetanschlüsse (85%) ist im Vergleich zur Vorgängerstudie 2006 weiter angestiegen. Betrachtet man den persön¬lichen Gerätebesitz der Kinder so fällt vor allem der starke Zuwachs an MP3-Playern auf, wohingegen die bisher gängigen Abspielgeräte wie CD-Player und Kassettenre¬korder rückläufig sind.
3. Mit was beschäftigen sich die 6- bis 13-Jährigen in ihrer Freizeit?
Auch bezüglich des Freizeitverhaltens kann festgestellt werden, dass die Nutzung von Medien zwar den Alltag der Kinder prägt, aber andere Beschäftigungen wie etwa „Hausaufgaben/ Lernen“, „Freunde treffen“ „Drinnen Spielen“ und „Draußen Spielen“ dennoch im Vordergrund stehen. Eine Ausnahme bildet das Fernsehen. Fast alle Kinder (97%) schauen regelmäßig (mindestens ein-/mehrmals pro Woche) fern. Etwa im Mittelfeld der beliebtesten Tätigkeiten liegt das Lesen von Büchern (52%) oder Zeitschriften (43%), eine regelmäßige Nutzung von MP3-Playern geben knapp zwei Fünftel der befragten Kinder an. Im Internet bewegen sich rund 60% der Kinder zumindest selten, wobei im Altersverlauf große Unterschiede festzustellen sind. Hat bei den jüngsten Befragten erst jeder Fünfte Erfahrung mit dem Internet gemacht, nimmt ab dem Alter von 10 Jahren der Anteil der jungen Internetnutzer deutlich zu (79%) und steigert sich auf bis zu 86% bei den 12-bis 13-Jährigen. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die ausgeführten Aktivitäten im Netz. Hier stehen nicht kommunikative Aspekte wie bei Jugendlichen im Vordergrund, sondern u.a. die Nutzung zu Recherchezwecken, der Besuch von Kinderseiten oder das Spielen von Onlinespielen.
4. Welche Bedeutung hat das Lesen von Büchern in der Freizeit der Kinder?
Die Daten zum Stellenwert von Büchern in der Freizeit der Kinder lassen sich zu der Aussage verdichten, dass die Hälfte der Kinder gerne und regelmäßig liest. Bei der anderen Hälfte stößt das Lesen auf wenig bis keine Gegenliebe. Der Anteil der Kin¬der die nie lesen stieg erneut an und liegt nun bei 17%. Die geschlechtsbezogenen Unterschiede in den Themeninteressen spiegeln sich auch im konkreten Lesever¬halten wider. Während zwei Drittel der Mädchen gerne oder sehr gerne lesen, gilt dies nur für 38% der Jungen. Die beliebtesten Bücher sind zumeist solche, deren Inhalte multimedial genutzt und vermarktet werden, wie etwa „Harry Potter“ oder „Die wilden Kerle“.
5. Welche Rolle spielt das Medienklima in der Familie?
Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Medienumgang der Eltern und dem ihrer Kinder. Geben die Eltern an, dass sie von allen Medien am wenigsten auf das Fernsehen verzichten könnten, weisen auch ihre Kinder diese starke TV-Bindung auf. Zudem zeigt sich, dass Medienbindung und Bildungsstand korrelieren. Mit zunehmendem Bildungsgrad verliert das Fernsehen zugunsten der Printmedien an Bindungskraft.
Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter www.mpfs.de/index.php