1. WORLD VISION Kinderstudie
Regelmäßiges Lesen: insbesondere für Jungen und für Kinder aus den unteren Schichten keine Sache der Gewohnheit
Im Auftrag des christlichen Hilfswerks World Vision befragte TNS Infratest im Februar/März 2007 auf Basis einer repräsentativen Quoten-Stichprobe rund 1.600 Kinder im Alter von 8 bis 11 Jahren in Deutschland. Die Interviews wurden persönlich-mündlich geführt und geben Einblick in die Lebenssituation, die Freizeitbeschäftigungen, Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der jüngsten Generation in Deutschland.
Kernergebnis der Studie:
Die große Mehrheit ist mit Familie, Schule, Freundeskreis und Freizeit zufrieden. Aber schon im Kindesalter prägt die soziale Schicht den Alltag und wirkt sich nachhaltig negativ auf die weitere Entwicklung aus. Kinder aus den unteren Schichten haben in allen Bereichen des Alltags schlechtere Startchancen als Kinder aus den gehobenen und höheren Schichten.
Lesen und Medienkonsum:
Unabhängig von den Hausaufgaben liest jedes dritte Kind (34%) mehrfach wöchentlich in seiner Freizeit in einem Buch oder in einer Zeitschrift. Fast jedes vierte Kind (23%) liest sogar täglich. Allerdings geben auch 26% an, unregelmäßig oder so gut wie nie zum Buch oder zur Zeitschrift zu greifen.
Dabei ist das Lesen nicht abhängig vom Alter oder etwa davon, wie viel sich Kinder bewegen und wie viel Sport sie treiben. Ausschlaggebend sind Geschlecht und soziale Herkunft. Zu den täglichen oder regelmäßigen Lesern können zwei von drei Mädchen (66%) gezählt werden, aber nur knapp jeder Zweite Junge (47%) – 35% lesen unregelmäßig oder nie. Weiter betont die Studie: Je höher die soziale Schicht, desto selbstverständlicher ist für Kinder die Freizeitbeschäftigung Lesen. Kinder mit Migrationshintergrund unterscheiden sich in der Lesehäufigkeit allerdings nicht von einheimischen deutschen Kindern.
Jedes dritte Kind zwischen 8 und 11 Jahren (34%) hat einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer. In den unteren Herkunftsschichten sind dies sogar 40%. Mehr als jedes zweite Kind schaut täglich eine Stunde oder länger fern.
Drei Freizeittypen:
Die Autoren der Studie typisieren die befragten Kinder anhand der Freizeitaktivitäten Sport, Medienkonsum, Kultur sowie häuslich-familiäre Aktivitäten zu drei Freizeittypen. Die „normalen Freizeitler“ (50%) gehen unterschiedlichen Aktivitäten nach, wie Sport und Bewegung, Freunde treffen, Familienunternehmungen und Medienkonsum. Diesen „normalen“ Kindern stehen zwei sich sehr unterscheidende Gruppen gegenüber. Die „vielseitigen Kids“ (24%) beschäftigen sich neben ihrem Freundeskreis und Sport vor allem mit kreativen, musisch-kulturellen Freizeitangeboten. Lesen spielt eine herausragende Rolle (63% lesen oft). Zu den „vielseitigen Kids“ gehören in erster Linie Kinder aus den oberen Schichten sowie mit 89% überwiegend Mädchen. Ein fast entgegen gesetztes Freizeitprofil weisen die „Medienkonsumenten“ auf. Neben Freunden und Sport steht in der Freizeit fernsehen und Computer spielen deutlich im Vordergrund. Lesen ist in diesem Freizeittyp nicht üblich. „Medienkonsumenten“ sind zu 82% Jungen und vorrangig aus unteren Schichten.
Die Studienautoren halten fest, dass Lesen nicht nur für die schulische Entwicklung, sondern auch für die Vielfalt und den Zugang zu kreativen Formen von Freizeitbeschäftigungen eine Schlüsselrolle zu spielen scheint und Mädchen hiervon momentan häufiger profitieren als Jungen.
Quelle: Kinder in Deutschland 2007. 1. World Vision Kinderstudie. World Vision Deutschland (Hg.). Konzeption und Koordination: Klaus Hurrelmann, Sabine Andresen, TNS Infratest Sozialforschung. Frankfurt am Main, 2007.
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