©Stiftung Lesen
Corinna Brüntink und Heinrich Kreibich
„Evaluation wird für Leseförderungsprojekte bald so selbstverständlich sein wie Internet-Präsenz“
Deutschlands führende Leseförderungs-Experten diskutierten die „Gretchenfrage“ der Leseförderung: „Wie lässt sich der Erfolg von Projekten messen?“ Round Table Leseförderung der Stiftung Lesen, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
„So schwierig die Frage ist, wie sich der Erfolg von Leseförderungsprojekten überhaupt messen lässt, so sicher ist umgekehrt: Künftig wird eine solche Evaluation bei der Projektarbeit ein so selbstverständlicher Standard sein wie die Projekt-Präsenz im Internet.“ Das erklärte Professor Dr. Stefan Aufenanger, Wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Lesen, in seinem Resümee des dritten Round Table Leseförderung der Stiftung Lesen am 7. Dezember in Mainz.
Zwei Tage lang waren in Mainz Deutschlands führende Leseförderungsexperten zu Gast: Rund 40 Vertreter von Leseförderungsorganisationen sowie die Fachreferenten der einschlägigen Ministerien diskutierten über die Themen: „Was macht ein Leseförderungsprojekt besonders erfolgreich - und mit welchen wissenschaftlichen Methoden kann hier überhaupt Erfolg gemessen werden?“ Eine Doppelfrage, die Stiftung Lesen-Geschäftsführer Heinrich Kreibich als „Gretchenfrage der Leseförderung“ bezeichnete.
Die Entwicklung, die zum Evaluations-Trend bei der Leseförderung führt, skizzierte Corinna Brüntink, Referatsleiterin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, in ihrem Grußwort: Zum einen forderten Geldgeber zunehmend nachvollziehbare Qualitätsnachweise, zum anderen setze sich bei den Projektträgern selbst immer mehr die Erkenntnis durch, dass die Analyse der Programmauswirkungen eine Voraussetzung dafür ist, Projekte zielgerichtet weiterzuentwickeln. Brüntink: „Evaluation in der Leseförderung wird daher mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.“
Arbeitsgruppen beleuchteten die Themen „Evaluation in Schule und Unterricht“ sowie „Evaluation von Projekten und Organisationen der Leseförderung“ und Professor Dr. Stefan
Aufenanger moderierte das Podium, das mit einschlägigen Experten besetzt war: Prof. Dr. Gudrun Marci-Boehncke (Ludwigsburg); Prof. Dr. Peter Conrady (Dortmund) sowie Prof. Dr. Uwe Flick (Berlin).
Fazit der Tagung ist laut Aufenanger: „Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass guter Wille und finanzielles Investment allein nicht ausreichen, um die Qualitätsanforderungen an Leseförderungsprojekte zu erfüllen. Lesefreude und Lesekompetenz müssen in der elektronischen Medienkultur auf professionelle Weise vermittelt werden, um nachhaltig alle wichtigen Zielgruppen zu erreichen.“ Aufenanger zufolge bedeute dies jedoch nicht einfach eine Übernahme von Evaluationsmethoden, die in anderen Projektbereichen gängig seien: „Lesefreude, das zentrale Ziel unserer unterschiedlichen Initiativen und Institutionen, ist nicht so einfach messbar. Wir müssen uns stets die Freiheit bewahren, Evaluierungen in der Leseförderung immer wieder kritisch zu hinterfragen.“
Die Ergebnisse
Die Ergebnisse des bundesweiten Forums: Round Table 2007 sind innerhalb der Schriftenreihe der Stiftung Lesen dokumentiert und können im Leseladen bestellt werden.