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Der Dietrich-Oppenberg-Medienpreis

Auszeichnungen für Beiträge über die Informations- und Wissensgesellschaft

Der Preis ist benannt nach dem 2000 verstorbenen Gründer und langjährigen Herausgeber der NRZ Neue Ruhr Zeitung/Neue Rhein Zeitung in Essen Dietrich Oppenberg, der als einer der wichtigsten Förderer einer modernen Zeitungs- und Lesekultur und des publizistischen Nachwuchses in Deutschland gilt.

Seit über 15 Jahren würdigen die Stiftung Lesen und die Stiftung Presse-Haus NRZ mit dem Dietrich-Oppenberg-Medienpreis Beiträge, die die sich ändernden Rahmenbedingungen in der modernen Informations- und Wissensgesellschaft reflektieren und dem Lesen im öffentlichen Bewusstsein Raum geben.

11.11.2003

Der Dietrich Oppenberg-Medienpreis 2003

5.12.2003 - Wiesbaden - Verleihung Dietrich Oppenberg-Medienpreis 2003 ©Stiftung Lesen / Bildschön

Herausragende Texte zum Thema Lesen wurden am 5. Dezember 2003 in Wiesbaden mit dem Dietrich Oppenberg-Medienpreis für Journalisten ausgezeichnet: Die Berliner Journalistin Jeanette Goddar hat für eine Serie in Der Tagesspiegel den ersten Preis gewonnen; als weitere Preisträger wurden geehrt: Birgit Schlieper von den Lüdenscheider Nachrichten, Claudia Schneider für einen Beitrag in der NRW-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und Dr. Reinhart Brüning für einen SWR-Fernsehbeitrag. Die Laudatio hielt die Hessische Kultusministerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz für das Jahr 2003, Karin Wolff. Die Witwe des Namensgebers, Marianne Oppenberg, war ebenfalls bei der Veranstaltung im Wiesbadener Kurhaus anwesend.


1. Platz
Jeannette Goddar
„Stark gemacht – Schulen machen sich auf den Weg“ (Der Tagesspiegel, Juni 2002-Dezember 2002)

Einen umfassenden, facettenreichen Blick auf die Leseförderung von Jugendlichen in Schule und Unterricht wirft Jeanette Goddar in ihren Beiträgen. Überzeugend in der Sprache und gründlich recherchiert, stellt sie die lebendige Berliner Schulwelt in den Mittelpunkt. Damit liefert Jeannette
Goddar ein vorbildhaftes Beispiel für guten Lokaljournalismus und beweist, dass viele Schulen – jenseits vom oft beklagten Negativ-Klischee – durch eine Orientierung an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen fantasievolle
und erfolgreiche Wege in der Leseförderung beschreiten.

2. Platz
Birgit Schlieper
„Wenn die Willenskraft den Mut an die Hand nimmt“ (flankiert von zwei Artikeln mit Hintergrundinformationen zum Thema) (Lüdenscheider Nachrichten, 25. Januar 2003)

Wie gehen blinde Menschen mit Sprache um und wie erschließen sie sich die verschiedenen Ausdrucksformen des Erzählens, Vorlesens und Schreibens? Diesem ganz besonderen Aspekt aus dem Themenspektrum „Lesen“ geht Birgit Schlieper in ihrem Porträt einer blinden Hobby-Schriftstellerin nach. Einfühlsam beschreibt sie, wie eine blinde Mutter die Welt in Geschichten für Kinder lebendig werden lässt. Damit gelingt es ihr in eindrucksvoller Weise, das Wirken einer sehbehinderten Autorin näher zu bringen, und zugleich die Verbindung zwischen moderner Kommunikation und der Tradition des Vorlesens deutlich zu machen.

3. Platz
Claudia Schneider
„Es klingelt. Pizza? Ein Buch!“ (Süddeutsche Zeitung/NRWAusgabe, 9. April 2002)

Claudia Schneiders Beitrag verdient Beachtung und Würdigung, da er Modernisierungsmaßnahmen in einem Leseförderungsbereich vorstellt, der durch die Haushaltskürzungen der Kommunen große Probleme hat und um seine Existenz kämpfen muss – das Bibliothekswesen. Am Beispiel der Dienstleistungspolitik und gezielten Kundenorientierung nordrhein-westfälischer Bibliotheken greift die Autorin viele Aspekte auf, die mit dem althergebrachten Bild der Bibliothek nicht mehr im Entferntesten etwas zu tun haben, die den Leser positiv überraschen und ihn zu einem Besuch in der nächsten Bibliothek motivieren.

Sonderpreis
Dr. Reinhart Brüning
„Spät-Leser. Ludwigshafener Analphabeten werden aktiv“ (SWR Rheinland-Pfalz Fernsehen, „Mensch! Alltag“, 22. Februar 2003)

Ein Tabuthema unserer Informationsgesellschaft greift Dr. Reinhart Brüning mit seiner Fernsehdokumentation über erwachsene Analphabeten auf. In seiner akribisch recherchierten Reportage lässt er die Betroffenen zu Wort kommen und bezieht auch die Menschen aus ihrem privaten und beruflichen Umfeld mit ein. Der Beitrag begleitet auf authentische Weise Erwachsene, die sich mit Mut, Durchhaltevermögen und Eigeninitiative der Herausforderung„Lesen Lernen“ stellen, und macht nicht zuletzt durch seine positive Grundstimmung Hoffnung.

Die Preisträger und Gratulanten des Dietrich Oppenberg-Preises 2003 (v. l. n. r.): Die damalige Hessische Kultusministerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz Karin Wolff, die Preisträgerinnen Jeanette Goddar und Claudia Schneider, NRZ-Herausgeber Heinrich Meyer, Marianne Oppenberg, Preisträgerin Birgit Schlieper, der damalige Wissenschaftliche Direktor der Stiftung Lesen Prof. Dr. Klaus Ring und Preisträger Dr. Reinhart Brüning.

11.11.2002

Der Dietrich Oppenberg-Medienpreis 2002

13.12.2002 - Berlin - Verleihung Dietrich Oppenberg-Medienpreis 2002 ©Stiftung Lesen / Peter Himsel

Warum möchte Martin mit 49 Jahren auf einmal doch noch Buchstabieren lernen? Die Reportage „Fremde Zeichen” von Thorsten Fuchs über erwachsene Analpheten in Deutschland, erschienen in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, wurde mit dem ersten Preis des Dietrich Oppenberg Medienpreises 2002 ausgezeichnet. Der damalige Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement, hielt bei der Preisverleihung in Berlin das Grußwort und betonte darin insbesondere die Bedeutung von Lesekompetenz gerade auch im Umgang mit den so genannten neuen Medien. Den zweiten Preis erhielt Steffi Kammerer für eine in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichte Kolumnen-Serie unter dem Titel „Mein Tagebuch” über Vorlese-Events. Der dritte Preis ging an Martin Spletter für die Serie „Wer vorliest, öffnet Kindern eine neue Welt” in der WAZ Gelsenkirchen. Mit einem Sonderpreis wurde Holger Vonhof für das Zeitungsprojekt für 4. Klassen der Sossenheimer Albrecht Dürer-Schule in Kooperation mit dem Höchster Kreisblatt ausgezeichnet.


1. Platz
Thorsten Fuchs
„Fremde Zeichen“ („Der 7. Tag“,Wochenendbeilage Hannoversche Allgemeine, 1. September 2001)

Dieser Text über erwachsene Analphabeten in Deutschland ist ein Text wie aus einer Anthologie mit herausragenden Reportagen: einfühlsam geschrieben, solide recherchiert (auch historische Rückblicke sind geschickt eingewoben) und sprachlich auf unaufdringliche Art versiert. Der Text ist spannend, ohne auf Kosten der Betroffenen sensationsheischend zu sein. Und er präsentiert eine Fülle von Fakten, ohne belehrend zu wirken. Damit ist er in jeder Hinsicht vorbildlich für herausragendes publizistisches Engagement zu einem Aspekt von „Lesekultur“, der angesichts von rund vier Millionen erwachsenen Analphabeten in Deutschland von besonders aktuellem Interesse ist.

2. Platz
Steffi Kammerer
„Mein Tagebuch - in dieser Woche lässt Steffi Kammerer sich vorlesen“ (Süddeutsche Zeitung, 12. - 16. März 2001)

Die Kolumnen von Steffi Kammerer zeigen,was Feuilleton-Journalismus leisten kann, wenn er nicht im sprachlichen Korsett üblicher Rezensionen
erstarrt: Aus der ironischen Perspektive einer Tagebuch-Schreiberin, die vorgibt, private Eindrücke zu notieren, wird das Spektrum der aktuellen Berliner (Vor-)Lesekultur auf den Seziertisch gelegt. Den Anlass der Reihe deutet sie in einem Nebensatz an: „...seit Vorlesen Mode ist in Berlin“. Und sie beschreibt auf überzeugende Weise die bizarren Aspekte dieser Mode. Ihr Fazit: Wenn (Vor-)Lesen einfach nur cool oder lukrativ ist, ist der PISA-gebeutelten Bildungsnation nicht geholfen. Aber die Mahnung wird in dieser vieldeutigen und sehr lesenswerten Text-Sammlung lediglich angedeutet.

3. Platz
Martin Spletter
„Wer vorliest, öffnet Kindern eine neue Welt“ u.a. (Westfälische Allgemeine Zeitung, Januar / Februar 2001)

Die Artikelserie ist beispielhaft dafür, dass die „Pisa-Studie” nicht nur als Leitartikel-Thema relevant ist, sondern auf vielfältige Weise die regionale Berichterstattung betrifft. Besonders erfreulich ist der positive Ansatz der Artikelserie: Martin Spletter präsentiert Institutionen, die auf ganz unterschiedliche Weise Bildungsarbeit leisten: bei der Leserförderung in einer Kinder-Bibliothek, bei der Integration von Ausländerkindern – oder durch freiwilliges Engagement als Vorleserin in der Grundschule. Die anschaulich geschriebenen Beiträge fügen sich zu einem Gesamtbild, das vorbildlich für zeitgemäßen Lokaljournalismus zum Thema Lesekultur ist.

Sonderpreis
Holger Vonhof,
„Zeitungsprojekt des Höchster Kreisblatt“ (2001)

„Zeitung in der Grundschule“ ist ein Ansatz in der Leseförderung, der mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Denn nur durch frühzeitiges Handeln kann bei Kindern der Spaß am Lesen, der unerlässlich ist für den Erwerb von Lesekompetenz, geweckt werden. Holger Vonhof hat gemeinsam mit mehreren Projektpartnern diesen Ansatz in exemplarischer Weise umgesetzt. Im Rahmen einer Projektwoche präsentierten sie Autorinnen und Autoren in einer Grundschule – und gaben den Kindern Gelegenheit, selbst journalistisch aktiv zu werden. Die Gegenüberstellung der von Kindern geschriebenen Texte mit Beiträgen der „erwachsenen Journalisten“ ist sehr reizvoll. Die gute journalistische Leistung wird in ein vorbildliches pädagogisches Projekt eingebettet.

Die Preisträger des Dietrich Oppenberg- Medienpreises 2002 und ihre Gratulanten: (v. l. n. r.): Martin Spletter, Steffi Kammerer, Thorsten Fuchs, NRZHerausgeber Heinrich Meyer, Marianne Oppenberg, der damalige Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Wolfgang Clement, Dr. Georg Ruppelt, zu dieser Zeit Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lesen, und Gerhard Mumme, Chefredakteur Frankfurter Neue Presse, der in Vertretung
von Holger Vonhof den Preis übernahm.

11.11.2001

Der Dietrich Oppenberg-Medienpreis 2001

Er war nicht nur Schirmherr der Stiftung Lesen – sondern auch ein enger Freund und Wegbeleiter von Dietrich Oppenberg: Der damalige Bundespräsident Johannes Rau sprach bei der ersten Preisverleihung des Dietrich Oppenberg-Medienpreises am 14. Dezember 2001 im Berliner „Haus der Presse” ein Grußwort. Darin betonte er, es sei ein „Problem ersten Ranges”, dass nach Auskunft der kurz zuvor veröffentlichten ersten PISA-Studie zu viele Jugendliche in Deutschland nicht richtig lesen könnten. Rau hob hervor, dass die Presse einen wichtigen Beitrag leisten könne, sich dieser gesellschaftspolitischen Herausforderung zu stellen. BZDV-Präsident Helmut Heinen sprach als Mitveranstalter der ersten Preisverleihung und Jurymitglied des Oppenberg-Medienpreises ebenfalls ein Grußwort. Dr. Georg Ruppelt, ehemals Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lesen, und NRZ-Geschäftsführer Heinrich Meyer übergaben die Preise: Den ersten Preis erhielten Annika Völk und Bernhard Hügler aus Ulm für eine in der Südwest Presse veröffentlichete Reportage über Bücher, die seit zehn Jahren in einer Stadtbücherei darauf warten, auch einmal entliehen zu werden. Platz zwei ging an Susanne Leinemann („Die Welt“, Berlin); den dritten Preis erhielt Barbara Hübner (Berlin) für einen Artikel in der „Berliner Zeitung“. Ein Sonderpreis wurde an Mithu M. Sanyal (Düsseldorf) für ein im WDR5 gesendetes Radiofeature zur Kulturgeschichte des Alphabets vergeben. Die Sonderpreisträgerin wurde aufgrund herausragender Einsendungen in den Folgejahren mittlerweile weitere zwei Mal mit dem Oppenberg- Preis ausgezeichnet.


1. Platz
Annika Völk und Bernhard Hügler


„Winnetou lässt sich nicht unterkriegen, Karl May frisst Staub“ (Südwest-Presse, 26. August 2000)
Mit Büchern, die niemand lesen möchte, die Lust aufs Lesen wecken – dieses paradoxe Kunststück gelingt den Journalisten Annika Völk und Bernhard Hügler auf bestechende Weise: Gemeinsam spürten sie in der Neu-Ulmer Stadtbücherei Bücher auf, die seit mindestens 10 Jahren darauf warten, entliehen zu werden, und porträtierten sie auf so humorvolle Weise, dass sie neugierig auf den Lese-Ort Bibliothek machen. Ein herausragendes Beispiel dafür, wie der Lokaljournalismus zur Vermittlung von Lesekultur beitragen kann.

2. Platz
Susanne Leinemann

„Pop heilt alle Wunden“(in: Die Welt, 24. Juni 2000)
Das Feature der Journalistin Susanne Leinemann ist eine stilistisch und inhaltlich gelungene Bestandsaufnahme der Lesekultur in den neuen, aber auch in den alten Bundesländern zehn Jahre nach der Wiedervereinigung. Der Text überzeugt nicht zuletzt durch seine Vielschichtigkeit: Das Spektrum der Themen reicht von der Frage, wie weit Literatur als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung genutzt werden kann, bis hin zur Reflexion über das spannungsreiche Verhältnis zwischen Literatur und Pop-Kultur.

3. Platz
Barbara Hübner
„Der Vogel auf dem Ast“ (in: Berliner Zeitung, 14./15. Oktober 2000)

Die ästhetische Faszination, aber auch die soziale Bedeutung des Spracherwerbs schildert die Journalistin Barbara Hübner auf anschauliche Weise an einem außergewöhnlichen Beispiel: In Frankfurt werden mit Hilfe eines Gebärdendolmetschers gehörlose und hörende Kinder gemeinsam unterrichtet. Die Komplexität des unter Experten umstrittenen Themas hat die Autorin aufgrund ihrer Rechercheleistung und ihrer versierten Darstellung überzeugend vermittelt.

Sonderpreis
Mithu M. Sanyal
„A, B, ...Oops! Der Alphabet-Effekt
von den Hieroglyphen bis heute“ (Beitrag auf WDR 5, „Scala“, 08. September 2000)

Vom Buchstaben-Sketch aus der Sesamstraße bis hin zu Marshal Mc Luhans Medientheorie: Der Radiobeitrag der Journalistin Mithu M. Sanyal ist eine faszinierende Collage über die universelle Bedeutung von Schrift und Alphabet. Mit Beispielen aus 4000 Jahren Kulturgeschichte hinterfragt sie auf humorvolle und engagierte Weise die pauschale Prophezeiung vom „Ende der Gutenberg-Galaxis“. Dabei macht sie auf überzeugende Weise deutlich, dass diese Galaxie zu keiner Zeit ein statisches Gebilde war, sondern sich bis heute immer radikal veränderte.

Die ersten Preisträger in Berlin mit dem Bundespräsidenten Johannes



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