Zeitschrift mit Hand

Studienberichte

Hier finden Sie Studienberichte des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen.

11.05.2015

Stiftung Lesen veröffentlicht erstmals Studie zu funktionalem Analphabetismus am Arbeitsplatz

Viele "Mitwisser" in den Betrieben

SAPFA_Publikation ©Stiftung Lesen

In Deutschland leben 7,5 Millionen erwachsene Menschen, die trotz Schulbesuchs nicht richtig lesen und schreiben können. Mehr als die Hälfte von ihnen ist erwerbstätig. Die Stiftung Lesen hat nun erstmalig Studienergebnisse zu funktionalem Analphabetismus am Arbeitsplatz veröffentlicht und die Publikation mit dem Titel „Alphabetisierung und Grundbildung am Arbeitsplatz. Sichtweisen im beruflichen Umfeld und ihre Potenziale“ zum kostenlosen Download bereitgestellt. Der Band beruht auf einer Studie, die im Rahmen des Förderschwerpunkts „Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt wurde.


Die Untersuchung  der Stiftung Lesen beschreibt erstmals aus Sicht des beruflichen Umfeldes die Situation funktionaler Analphabeten am Arbeitsplatz, das Klima unter Kollegen und Vorgesetzten sowie Ansatzpunkte, um in Unternehmen für das Problem zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt stehen Beschäftigte in Branchen und Tätigkeitsfeldern, in denen der Anteil funktionaler Analphabeten überdurchschnittlich hoch ist, zum Beispiel im Baugewerbe, in der Gastronomie oder der Gebäudereinigung.


Die Untersuchung zeigt, dass funktionaler Analphabetismus am Arbeitsplatz entgegen der gängigen Auffassung kein verstecktes Phänomen ist: Viele Betroffene gehen offen damit um, Kollegen und Arbeitgeber wissen häufig von funktionalen Analphabeten in ihrem Umfeld. Um betroffenen Mitarbeitern das Lesen und Schreiben abzunehmen, greifen sie oft auf Hilfsmechanismen zurück, etwa festgelegte Farbkodierungen auf Putzmitteln. So werden in der Praxis im Sinne der Fehlervermeidung oft nur die Symptome kuriert, statt das Problem nachhaltig anzugehen. Gleichzeitig arbeitet die aktuelle Studie der Stiftung Lesen Potenziale und Ansatzpunkte für zukünftige Maßnahmen im Bereich der Arbeitsplatz orientierten Grundbildung heraus, die sich aus dem offenen Umgang mit funktionalen Analphabeten ergeben. So sollen mit Hilfe der Studienergebnisse langfristige und nachhaltige Lösungen entwickelt werden, wie im betrieblichen Umfeld das Problem des funktionalen Analphabetismus bewältigt werden kann.

28.10.2014

Vorlesen macht Familien stark

Vorlesestudie 2014 zeigt: Vorlesen regt Gespräche an und fördert familiäre Bindungen

VorlesenderVater ©Olga Lyubkina

Die Vorlesestudien der vergangenen Jahre zeigen einen deutlichen Handlungsbedarf auf. Jedem dritten Kind in Deutschland wird zuhause nicht vorgelesen, damit fehlt ein zentraler und wichtiger Impuls für positive Entwicklungen, die im Zusammenhang mit dem Vorlesen nachweisbar sind.  Eltern müssen möglichst frühzeitig Impulse für das Vorlesen erhalten, um ein Bewusstsein zu schaffen, dass Väter ebenso wie Mütter vorlesen müssen.


Für die Sensibilisierung, Motivation und Aktivierung von Eltern, die ihren Kindern noch nicht oder selten vorlesen, dürften nach den vorliegenden Ergebnissen vor allem solche Programme und Maßnahmen greifen, die Mütter und Väter bei ihrem intuitiven und emotionalen Umgang mit den Kindern packen und das Vorlesen entsprechend erfahrbar machen. Die Vorlesestudie des Jahres 2014 hat solche Aspekte in den Mittelpunkt gestellt. Sie prüft, welche soziale und kommunikative Funktion das Vorlesen innerhalb der Familie hat, ob und in welcher Weise es Anlass zu Gesprächen gibt, Kindern (und Eltern) Anknüpfungspunkte bietet, aktuelle Themen, alltägliche wie auch grundlegende Fragen, Probleme und Konflikte anzusprechen und zu verarbeiten.


Die Vorlesestudie 2014 zeigt deutlich den stärkenden Charakter des Vorlesens in Familien. Vor dem Hintergrund sich ändernder Familienstrukturen hat das Vorlesen eine große Bedeutung für die familiäre Kommunikation: Zwei Drittel (67 Prozent) der befragten Eltern von Kindern zwischen zwei und acht Jahren gaben an, dass das Vorlesen über die Geschichten hinaus weitere Gespräche anstößt. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Gespräche über alltägliche Themen, die das Kind beschäftigen (32 Prozent). Aber auch einschneidende Ereignisse werden mit Hilfe von Geschichten thematisiert, etwa Familienzuwachs, Umzug, Einschulung oder auch Trennung und Verlust.

Viele Eltern sind sich des Mehrwerts, den das Vorlesen für die familiäre Kommunikation bietet, bewusst. 41 Prozent sagen, dass sie Bücher und Geschichten gezielt einsetzen, um ihren Kindern beim Verarbeiten schwieriger Situationen zu helfen. Vom Vorlesen profitieren dabei sowohl die Eltern als auch die Kinder: Rund drei Viertel der Eltern (76 Prozent) genießen nach eigener Aussage die gemeinsame Zeit beim Vorlesen genauso wie ihre Kinder. Und auch die Kinder genießen das Vorlesen, fordern doch 70% das Vorlesen von ihren Eltern aktiv ein.

Dennoch ist das Vorlesen in vielen Familien noch kein fester Bestandteil des Alltags: 31 Prozent der Eltern lesen ihren Kindern selten oder gar nicht vor. Sie verzichten damit auf einen zentralen Impuls, der die Familien über die Bindung zwischen Eltern und Kinder stärkt.

Die Ergebnisse der Vorlesestudie 2014 finden Sie im nebenstehenden Downloadbereich. 

11.09.2014

Begleituntersuchung der Bücher-Aktion im Happy Meal bei McDonald´s

Begleituntersuchung Happy Meal ©Stiftung Lesen

Seit September 2012 unterstützt die Stiftung Lesen die Bücher-Aktionen im Happy Meal von McDonald´s. Mit dieser Kooperation nutzt die Stiftung Lesen die Chance, vielen Familien die Bedeutung des Lesens und Vorlesens näher zu bringen und Lesefreude zu wecken. Während des dritten Aktionszeitraumes (30.8. bis 3.10.2013) der Bücher-Aktion hat die Stiftung Lesen eine wissenschaftliche Begleituntersuchung durchgeführt und zwei renommierte Feldinstitute mit Befragungen von Eltern und Kindern beauftragt. Über 1.000 Eltern von Kindern im Alter von 3 bis 9 Jahren wurden durch das Institut für Demoskopie Allensbach befragt. Außerdem wurden 100 Kinder der gleichen Altersgruppe vom Marktforschungsinstitut IconKids&Youth zu ihren Eindrücken, Wünschen und ihrer Zufriedenheit mit den Buchbeigaben im Happy Meal interviewt.

Die Ergebnisse zeigen: Der Weg über McDonald’s und das Happy Meal ermöglicht – ähnlich wie viele andere Programme und Projekte der Stiftung Lesen – einen Zugang zur Mehrzahl der Familien aller sozialen und Bildungsschichten in Deutschland. Auch und insbesondere leseferne Familien werden durch die Buchbeigabe erreicht. Dies bestärkt die Stiftung Lesen in dem Entschluss, die Kooperation auch in Zukunft fortzuführen, um Lesefreude und -motivation in allen Bevölkerungsschichten zu wecken und zu stärken. Die Präsentation mit detaillierten Ergebnissen der Begleituntersuchung finden Sie nebenstehend im Download-Bereich.

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