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Pressemitteilungen

30.10.2012

Repräsentative Studie

Digitale Medien eröffnen neue Chancen für das Vorlesen

Logo Bundesweiter Vorlesetag ©gert albrecht artwork

Die Studie untersucht den Einfluss digitaler Medien wie Tablets, Smartphones oder E-Reader auf das Vorleseverhalten in Familien. Befragt wurden 500 Eltern mit mindestens einem Kind im Alter von zwei bis acht Jahren. Bisher nutzt jede siebte dieser Familien Bilder- und Kinderbuch-Apps. Die zentralen Ergebnisse: Elektronische Medien werden als Ergänzung, nicht als Ersatz für klassische Bilderbücher betrachtet. Sie haben das Potenzial, bildungsferne Schichten mit Vorleseangeboten zu erreichen. Väter, die bisher deutlich seltener vorlesen als Mütter, können über die neuen Angebote motiviert werden. „Die Studie birgt überraschende Ergebnisse über die Akzeptanz und den Einsatz digitaler Lesemedien“, fasst Dr. Simone C. Ehmig zusammen. „Dadurch bieten sich neue Chancen und Anknüpfungspunkte für die Leseförderung.“

Fast 90 Prozent aller befragten Eltern sagen, dass Bilder- und Kinderbuch-Apps eine tolle Ergänzung sind, das gedruckte Buch aber nicht ersetzen können. „Diese Elterngeneration integriert die neuen Technologien ganz selbstverständlich in den Alltag mit ihren Kindern. Und mithilfe von Bilder- und Kinderbuch-Apps können sie heute in ganz anderen Situationen und an anderen Orten vorlesen als bisher“, erläutert Dr. Rüdiger Grube. „Kurz gesagt: Bücher sind fürs Kuscheln, Apps für die Bahnfahrt oder das Wartezimmer.“

Digitale Vorleseangebote bieten neue Möglichkeiten, Familien zu erreichen, bei denen das Lesen und Vorlesen einen geringeren Stellenwert hat. In den befragten Familien mit formal niedriger Bildung sind Smartphones und Tablets mit 74 und 27 Prozent ebenso verbreitet wie in den befragten Familien mit formal hoher Bildung (81 und 26 Prozent).

Väter lesen deutlich seltener vor als Mütter, nutzen aber häufiger elektronische Medien. Die aktuelle Vorlesestudie zeigt, dass Väter, die bereits mit einem elektronischen Gerät und aus Büchern vorgelesen haben, etwa doppelt so häufig dem digitalen Angebot den Vorzug geben (40 Prozent gegenüber 23 Prozent). Bei den Müttern ist es umgekehrt (20 zu 45 Prozent). „Elektronische Medien können helfen, das Vorlesedefizit von Vätern abzubauen, auch wenn diese Zahlen bedauerlicherweise Klischees bestätigen“, erklärt Moritz Müller-Wirth. „Denn jeder fünfte Vater, der selten oder nie aus Büchern vorliest, ist für das Vorlesen mit Apps offen.“

Rund die Hälfte der Befragten, die noch keine Apps zum Vorlesen nutzen, äußerte sich zurückhaltend im Hinblick auf eine zukünftige Nutzung. Zentraler Grund ist die mangelnde Erfahrung mit digitalen Angeboten. „Wir sehen, dass Eltern Orientierung und Beratung brauchen zur Einschätzung der Qualität und für die Nutzung von Apps“, so Dr. Jörg F. Maas. „Hier werden wir in Zukunft verstärkt unsere Angebote ausbauen. Ebenso müssen das Lesen mit digitalen Medien und die Medienkompetenz in der Leseförderung verstärkt in den Mittelpunkt gerückt werden. Das Lesen und Vorlesen wird durch die Digitalisierung nicht sterben, sondern in neuen Kontexten erfahrbar werden und damit eine Chance für die Leseförderung bieten.“

Die Vorlesestudie erscheint jährlich im Vorfeld des Bundesweiten Vorlesetags. Die aktuelle Studie „Digitale Angebote – neue Anreize für das Vorlesen?“ ist die sechste Studie der Initiatoren, die sich mit dem „Vorleseland Deutschland“ auseinandersetzt. Weitere Informationen zur Studie sowie zum Bundesweiten Vorlesetag sind im Internet zu finden. Engagierte Vorleser haben hier zudem die Möglichkeit, sich anzumelden:

Die Vorlesestudie: www.stiftunglesen.de/vorlesestudie

Der Bundesweite Vorlesetag: www.vorlesetag.de