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Pressemitteilungen

18.03.2013

Prepare for Life: Sprachliche Bildung ist mehr als das Lernen des Alphabets

Internationale Fachkonferenz zur frühkindlichen Sprach- und Leseförderung will Empfehlungskatalog erarbeiten

Konferenz 4 ©Stiftung Lesen.PUNCTUM / Alexander Schmidt

Mainz, 18. März 2013. Über 130 Teilnehmer aus 35 Ländern diskutierten vom 12. bis 14. März in Leipzig bei der internationalen Fachkonferenz „Prepare for Life! Raising Awareness for Early Literacy Education“ kulturelle, soziale und politische Parameter für eine zeitgemäße frühkindliche Sprach- und Leseförderung.  Ein Handlungskatalog – die „Leipziger Empfehlungen“ – soll in den nächsten Wochen  von einer interdisziplinären Gruppe, bestehend aus  Wissenschaftlern, Experten und Praktikern, erarbeitet und vorgestellt werden. Die internationale Fachkonferenz wurde von der Stiftung Lesen organisiert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Mit den „Leipziger Empfehlungen“, die sich an Politik, Wissenschaft ,Fachkräfte, aber auch an Familien und ehrenamtlich für die Leseförderung Tätige richten, wollen die Experten konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der frühkindlichen Förderung aussprechen. Denn frühkindliche Sprach- und Leseförderung ist eine Grundvoraussetzung für die Bildungsfähigkeit des Einzelnen und damit auch Basis für eine erfolgreiche gesellschaftliche, kulturelle aber vor allem auch wirtschaftliche Entwicklung in allen Ländern, so das Fazit der Experten. Nach Prof. Susan B. Neuman, Professorin für Erziehungswissenschaften der University of Michigan, USA, ist frühe Sprach-und Leseförderung mehr als das Lernen des Alphabets: Bereits bei Dreijährigen offenbaren sich große Unterschiede im Wortschatz, die mit dem jeweiligen Haushaltseinkommen korrelieren.

Prof. Eric A. Hanushek, Experte für Bildungsökonomie an der Stanford University, USA, ergänzte, dass insbesondere frühkindliche Förderprogramme signifikante Auswirkungen auf sozial Benachteiligte haben und daher heute als probates Mittel für Chancengerechtigkeit gelten. Die Investitionen in die frühkindlichen Sprach- und Leseförderung, insbesondere bei sozial schwachen Gesellschaftsschichten, hätten nicht nur positive Effekte auf die persönliche Entwicklung des Einzelnen, sondern auch für die gesamte Gesellschaft.

Unter den Experten bestand Einigkeit: Eine erfolgreiche frühkindliche Förderung von Sprach- und Lesefähigkeit kann nur unter Einbindung aller gesellschaftlichen Kräfte funktionieren. „Es ist dringend notwendig, der frühkindlichen Sprach- und Leseentwicklung mehr Aufmerksamkeit zu schenken, denn sie ist die Basis für Bildungsfähigkeit. Wir müssen vor allem auch die Familien der Kinder miteinbeziehen“, erläutert Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. „Sie sind die Keimzelle und der zentrale Ort für frühkindliche Bildung. Eltern und Familien müssen deshalb unbedingt weiter gestärkt und befähigt werden.“

Benötigt wird, so das Fazit der anwesenden Experten, nicht nur ein ganzheitlicher Bildungsansatz in der frühkindlichen Förderung, der insbesondere soziale und kulturelle Faktoren berücksichtigt, sondern auch das Zusammenwirken aller Akteure auf politischer, institutioneller und privater Basis. Mit den geplanten „Leipziger Empfehlungen“ sollen daher erstmals konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft entwickelt werden.

Bei der internationalen Fachkonferenz vom 12. bis 14. März 2013 sprachen unter anderem:

  • Prof. Eve V. Clark, Professorin für Linguistik, Stanford University
  • Prof. Eric A. Hanushek, Professor für Ökonomie, Stanford University
  • Prof. Christoph J. Lonigan, Professor für Psychologie, Florida State University, Florida Center for Reading Research, USA
  • Prof. Susan B. Neuman, Professorin für Erziehungswissenschaften, University of Michigan
  • Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolf Singer, Professor für Neurophysiologie, Max Planck Institut für Hirnforschung, Ernst Strüngmann Institute (ESI) for Neuroscience in Cooperation with Max Planck Society, Frankfurt/Main
  • Prof. Dr. Renate Zimmer, Professorin für Erziehungswissenschaften, Universität Osnabrück