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Pressemitteilungen

19.07.2016

Forschungsprojekt REACH: Zugang zu jungen Analphabeten finden

Ziel ist das Verständnis der Lebenswelten und die Identifizierung von Zugangswegen / Fokus auf Berufseinsteiger und junge Eltern / Vorhaben mündet in Pilotprojekte und läuft bis 2020

REACH-Start ©Stiftung Lesen

Die Stiftung Lesen startet ein neues Forschungs- und Entwicklungsprojekt, um funktionale Analphabeten künftig in den Jahren des Berufseinstiegs und der Familiengründung besser unterstützen zu können. Am 21. Juli findet in Bonn das erste Treffen der Partner von „REACH“ statt. Der Fokus des Projekts: Wie können junge Erwachsene von 16 bis 35 Jahren auf Alpha 3-Level für das Lesen interessiert und motiviert werden? Diese Menschen können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, scheitern jedoch an zusammenhängenden, auch kürzeren Texten und vermeiden sie deshalb. Mit gut 5 Millionen Personen machen sie den größten Teil der insgesamt 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten im erwerbsfähigen Alter in Deutschland aus. REACH ist ein Projekt im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.


„Jugendliche und junge erwachsene Analphabeten müssen eine Kernzielgruppe der Leseförderung werden. Sie haben das institutionelle Bildungssystem verlassen und prägen als Eltern die Lesesozialisation ihrer Kinder. Aber bisher gibt es kaum Maßnahmen, die diese Menschen erreichen. Das will die Stiftung Lesen ändern und REACH ist dafür der erste Schritt“, so Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. Nach der SAPfA-Studie zu Analphabetismus am Arbeitsplatz ist REACH ein weiteres Grundlagenprojekt des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen unter der Leitung von Dr. Simone C. Ehmig.

Funktionale Analphabeten fragen klassische Kursangebote nur selten nach und werden von den Volkshochschulen oder anderen Trägern schwer erreicht. Viele von ihnen könnten aber für ihren weiteren Lebensweg nachhaltig von geeigneten Förderangeboten profitieren. Nicht zuletzt könnten sie auch zu Lesevorbildern für ihre Kinder werden. REACH sondiert nun mögliche Zugangswege, ausgehend von der bisherigen Praxis der Alphabetisierung und Grundbildung einerseits sowie einer genauen Analyse der Zielgruppe und ihrer Lebenswelt andererseits. Nach der Auswertung einer Vielzahl von Datenquellen, Tiefeninterviews mit Angehörigen der Zielgruppe und Gruppendiskussionen mit Multiplikatoren werden konkrete Zugänge und Möglichkeiten der Ansprache pilothaft umgesetzt und begleitend evaluiert.

In der ersten Phase der Analysen arbeitet die Stiftung Lesen mit GESIS Leibniz-Institut für Sozialforschung (PIAAC), dem Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e. V. (NEPS) und der Universität Hamburg (Leo-Studie) zusammen, in der zweiten Phase mit der GfK, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dem Institut für Demoskopie Allensbach und dem AOK-Bundesverband. Datenmaterial stellen darüber hinaus das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und das Robert Koch-Institut zur Verfügung. Das Gesamtvorhaben wird von den kooperierenden Instituten sowie von Prof. Dr. Helmut Bremer (Universität Duisburg-Essen), Dr. Mathias Alke (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung) und Jan-Peter Kalisch (iCHANCE) beratend begleitet.