Cornelia Funke und Guillermo del Toro

Das Labyrinth des Fauns

Verlust und Schmerz prägen das Leben des Mädchens Ofelia: Seit dem Tod des Vaters und seitdem die Mutter mit dem „Wolf“, einem grausamen Offizier des spanischen Franco-Regimes, zusammen ist und sein Kind erwartet, fühlt sich ihr Herz wie eine Schachtel an, die nur den Widerhall von Trauer und Leid enthält. Ein Gefühl, das schon lange, lange Zeit auch den König des unterirdischen Reichs beherrscht: Seit seine Tochter Moanna in die Menschenwelt geflohen ist, dort unglücklich wurde und schließlich starb, wartet er auf ihre Wiederkehr. In einem anderen Körper und einer anderen Zeit. Der Faun - sein undurchsichtiger Berater - hält über Jahrhunderte die Fäden in der Hand, die Ereignisse in dieser Welt der Mythen und Märchen und letztlich das Schicksal von Ofelia miteinander verknüpfen. So hängen auch der längst vergessene Bau eines Labyrinths und der schreckliche Tod einer Frau, die als Hexe im Mühlteich ertränkt wurde, mit dem Kampf einer antifaschistischen Widerstandsgruppe zusammen, die Capitán Vidal und seine Schergen in den Wäldern aufspüren und vernichten sollen. Und mit der wahren Bestimmung und Aufgabe Ofelias ...

Das Spanien des Jahres 1944 dient als Hintergrund für eine Geschichte, in der die düstere Realität von damals kunstvoll mit einer fantastischen Welt verwoben wird. Die märchenhaften Einschübe - „Vor langer Zeit, als die Magie sich noch nicht so vollständig vor menschlichen Augen verbarg ...“ - sind nicht weniger düster und unmenschlich als die geschilderten realen Ereignisse, deren Zeugin Ofelia wird. Aber sie erlebt sie nicht nur mit - sie wird auch zur Schlüsselfigur und letztlich zum Teil des Labyrinths, in dem alles beginnt und endet. Der Roman basiert auf del Toros Film „Pans Labyrinth“, dessen überwältigende Bilder Cornelia Funke in einen „Teppich aus Worten“ verwandeln wollte. Das Ergebnis ist stilistisch anspruchsvoll, poetisch, fordernd, aber dennoch schlicht wie ein überliefertes Märchen. Die Illustrationen, die jeweils den fantastischen Einschüben vorangestellt sind, fügen sich dabei atmosphärisch stimmig ein. 

Die Zielgruppe zu benennen, ist schwierig! Das Buch spricht sicher auch junge Leserinnen und Leser an - sofern diese mit den expliziten und unausgesprochenen Grausamkeiten und der sehr dunklen Grundstimmung der Geschichte zurechtkommen und sich auf die raffinierte Erzählkonstruktion einlassen können. Für alle, die den Film lieben, ist natürlich auch die zentrale Frage sehr spannend: Inwiefern können Worte wiedergeben, was Bilder in uns auslösen? Eine vielschichtige Lektüre mit Potenzial, auch für medienübergreifende Projekte.

Buchcover "Labyrinth des Fauns"

© Fischer Verlag

Weitere Infos

Alter

14 bis 16 Jahre

geschrieben von

Cornelia Funke, Guillermo del Toro

illustriert von

Allen Williams

übersetzt von

Tobias Schnettler

Verlag

Fischer

Erscheinungsjahr

2019

Länge

320 Seiten

ISBN

978-3-7373-5666-4

Preis

20,00 €

Themen

Ernstes, Fantasy & Science Fiction, Historisches, Märchen(haftes)

Kategorie

Roman