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Der Dietrich-Oppenberg-Medienpreis

Auszeichnungen für Beiträge über die Informations- und Wissensgesellschaft

Der Preis ist benannt nach dem 2000 verstorbenen Gründer und langjährigen Herausgeber der NRZ Neue Ruhr Zeitung/Neue Rhein Zeitung in Essen Dietrich Oppenberg, der als einer der wichtigsten Förderer einer modernen Zeitungs- und Lesekultur und des publizistischen Nachwuchses in Deutschland gilt.

Seit über 15 Jahren würdigen die Stiftung Lesen und die Stiftung Presse-Haus NRZ mit dem Dietrich-Oppenberg-Medienpreis Beiträge, die die sich ändernden Rahmenbedingungen in der modernen Informations- und Wissensgesellschaft reflektieren und dem Lesen im öffentlichen Bewusstsein Raum geben.

11.11.2002

Der Dietrich Oppenberg-Medienpreis 2002

13.12.2002 - Berlin - Verleihung Dietrich Oppenberg-Medienpreis 2002 ©Stiftung Lesen / Peter Himsel

Warum möchte Martin mit 49 Jahren auf einmal doch noch Buchstabieren lernen? Die Reportage „Fremde Zeichen” von Thorsten Fuchs über erwachsene Analpheten in Deutschland, erschienen in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, wurde mit dem ersten Preis des Dietrich Oppenberg Medienpreises 2002 ausgezeichnet. Der damalige Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement, hielt bei der Preisverleihung in Berlin das Grußwort und betonte darin insbesondere die Bedeutung von Lesekompetenz gerade auch im Umgang mit den so genannten neuen Medien. Den zweiten Preis erhielt Steffi Kammerer für eine in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichte Kolumnen-Serie unter dem Titel „Mein Tagebuch” über Vorlese-Events. Der dritte Preis ging an Martin Spletter für die Serie „Wer vorliest, öffnet Kindern eine neue Welt” in der WAZ Gelsenkirchen. Mit einem Sonderpreis wurde Holger Vonhof für das Zeitungsprojekt für 4. Klassen der Sossenheimer Albrecht Dürer-Schule in Kooperation mit dem Höchster Kreisblatt ausgezeichnet.


1. Platz
Thorsten Fuchs
„Fremde Zeichen“ („Der 7. Tag“,Wochenendbeilage Hannoversche Allgemeine, 1. September 2001)

Dieser Text über erwachsene Analphabeten in Deutschland ist ein Text wie aus einer Anthologie mit herausragenden Reportagen: einfühlsam geschrieben, solide recherchiert (auch historische Rückblicke sind geschickt eingewoben) und sprachlich auf unaufdringliche Art versiert. Der Text ist spannend, ohne auf Kosten der Betroffenen sensationsheischend zu sein. Und er präsentiert eine Fülle von Fakten, ohne belehrend zu wirken. Damit ist er in jeder Hinsicht vorbildlich für herausragendes publizistisches Engagement zu einem Aspekt von „Lesekultur“, der angesichts von rund vier Millionen erwachsenen Analphabeten in Deutschland von besonders aktuellem Interesse ist.

2. Platz
Steffi Kammerer
„Mein Tagebuch - in dieser Woche lässt Steffi Kammerer sich vorlesen“ (Süddeutsche Zeitung, 12. - 16. März 2001)

Die Kolumnen von Steffi Kammerer zeigen,was Feuilleton-Journalismus leisten kann, wenn er nicht im sprachlichen Korsett üblicher Rezensionen
erstarrt: Aus der ironischen Perspektive einer Tagebuch-Schreiberin, die vorgibt, private Eindrücke zu notieren, wird das Spektrum der aktuellen Berliner (Vor-)Lesekultur auf den Seziertisch gelegt. Den Anlass der Reihe deutet sie in einem Nebensatz an: „...seit Vorlesen Mode ist in Berlin“. Und sie beschreibt auf überzeugende Weise die bizarren Aspekte dieser Mode. Ihr Fazit: Wenn (Vor-)Lesen einfach nur cool oder lukrativ ist, ist der PISA-gebeutelten Bildungsnation nicht geholfen. Aber die Mahnung wird in dieser vieldeutigen und sehr lesenswerten Text-Sammlung lediglich angedeutet.

3. Platz
Martin Spletter
„Wer vorliest, öffnet Kindern eine neue Welt“ u.a. (Westfälische Allgemeine Zeitung, Januar / Februar 2001)

Die Artikelserie ist beispielhaft dafür, dass die „Pisa-Studie” nicht nur als Leitartikel-Thema relevant ist, sondern auf vielfältige Weise die regionale Berichterstattung betrifft. Besonders erfreulich ist der positive Ansatz der Artikelserie: Martin Spletter präsentiert Institutionen, die auf ganz unterschiedliche Weise Bildungsarbeit leisten: bei der Leserförderung in einer Kinder-Bibliothek, bei der Integration von Ausländerkindern – oder durch freiwilliges Engagement als Vorleserin in der Grundschule. Die anschaulich geschriebenen Beiträge fügen sich zu einem Gesamtbild, das vorbildlich für zeitgemäßen Lokaljournalismus zum Thema Lesekultur ist.

Sonderpreis
Holger Vonhof,
„Zeitungsprojekt des Höchster Kreisblatt“ (2001)

„Zeitung in der Grundschule“ ist ein Ansatz in der Leseförderung, der mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Denn nur durch frühzeitiges Handeln kann bei Kindern der Spaß am Lesen, der unerlässlich ist für den Erwerb von Lesekompetenz, geweckt werden. Holger Vonhof hat gemeinsam mit mehreren Projektpartnern diesen Ansatz in exemplarischer Weise umgesetzt. Im Rahmen einer Projektwoche präsentierten sie Autorinnen und Autoren in einer Grundschule – und gaben den Kindern Gelegenheit, selbst journalistisch aktiv zu werden. Die Gegenüberstellung der von Kindern geschriebenen Texte mit Beiträgen der „erwachsenen Journalisten“ ist sehr reizvoll. Die gute journalistische Leistung wird in ein vorbildliches pädagogisches Projekt eingebettet.

Die Preisträger des Dietrich Oppenberg- Medienpreises 2002 und ihre Gratulanten: (v. l. n. r.): Martin Spletter, Steffi Kammerer, Thorsten Fuchs, NRZHerausgeber Heinrich Meyer, Marianne Oppenberg, der damalige Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Wolfgang Clement, Dr. Georg Ruppelt, zu dieser Zeit Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lesen, und Gerhard Mumme, Chefredakteur Frankfurter Neue Presse, der in Vertretung
von Holger Vonhof den Preis übernahm.

11.11.2001

Der Dietrich Oppenberg-Medienpreis 2001

Er war nicht nur Schirmherr der Stiftung Lesen – sondern auch ein enger Freund und Wegbeleiter von Dietrich Oppenberg: Der damalige Bundespräsident Johannes Rau sprach bei der ersten Preisverleihung des Dietrich Oppenberg-Medienpreises am 14. Dezember 2001 im Berliner „Haus der Presse” ein Grußwort. Darin betonte er, es sei ein „Problem ersten Ranges”, dass nach Auskunft der kurz zuvor veröffentlichten ersten PISA-Studie zu viele Jugendliche in Deutschland nicht richtig lesen könnten. Rau hob hervor, dass die Presse einen wichtigen Beitrag leisten könne, sich dieser gesellschaftspolitischen Herausforderung zu stellen. BZDV-Präsident Helmut Heinen sprach als Mitveranstalter der ersten Preisverleihung und Jurymitglied des Oppenberg-Medienpreises ebenfalls ein Grußwort. Dr. Georg Ruppelt, ehemals Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lesen, und NRZ-Geschäftsführer Heinrich Meyer übergaben die Preise: Den ersten Preis erhielten Annika Völk und Bernhard Hügler aus Ulm für eine in der Südwest Presse veröffentlichete Reportage über Bücher, die seit zehn Jahren in einer Stadtbücherei darauf warten, auch einmal entliehen zu werden. Platz zwei ging an Susanne Leinemann („Die Welt“, Berlin); den dritten Preis erhielt Barbara Hübner (Berlin) für einen Artikel in der „Berliner Zeitung“. Ein Sonderpreis wurde an Mithu M. Sanyal (Düsseldorf) für ein im WDR5 gesendetes Radiofeature zur Kulturgeschichte des Alphabets vergeben. Die Sonderpreisträgerin wurde aufgrund herausragender Einsendungen in den Folgejahren mittlerweile weitere zwei Mal mit dem Oppenberg- Preis ausgezeichnet.


1. Platz
Annika Völk und Bernhard Hügler


„Winnetou lässt sich nicht unterkriegen, Karl May frisst Staub“ (Südwest-Presse, 26. August 2000)
Mit Büchern, die niemand lesen möchte, die Lust aufs Lesen wecken – dieses paradoxe Kunststück gelingt den Journalisten Annika Völk und Bernhard Hügler auf bestechende Weise: Gemeinsam spürten sie in der Neu-Ulmer Stadtbücherei Bücher auf, die seit mindestens 10 Jahren darauf warten, entliehen zu werden, und porträtierten sie auf so humorvolle Weise, dass sie neugierig auf den Lese-Ort Bibliothek machen. Ein herausragendes Beispiel dafür, wie der Lokaljournalismus zur Vermittlung von Lesekultur beitragen kann.

2. Platz
Susanne Leinemann

„Pop heilt alle Wunden“(in: Die Welt, 24. Juni 2000)
Das Feature der Journalistin Susanne Leinemann ist eine stilistisch und inhaltlich gelungene Bestandsaufnahme der Lesekultur in den neuen, aber auch in den alten Bundesländern zehn Jahre nach der Wiedervereinigung. Der Text überzeugt nicht zuletzt durch seine Vielschichtigkeit: Das Spektrum der Themen reicht von der Frage, wie weit Literatur als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung genutzt werden kann, bis hin zur Reflexion über das spannungsreiche Verhältnis zwischen Literatur und Pop-Kultur.

3. Platz
Barbara Hübner
„Der Vogel auf dem Ast“ (in: Berliner Zeitung, 14./15. Oktober 2000)

Die ästhetische Faszination, aber auch die soziale Bedeutung des Spracherwerbs schildert die Journalistin Barbara Hübner auf anschauliche Weise an einem außergewöhnlichen Beispiel: In Frankfurt werden mit Hilfe eines Gebärdendolmetschers gehörlose und hörende Kinder gemeinsam unterrichtet. Die Komplexität des unter Experten umstrittenen Themas hat die Autorin aufgrund ihrer Rechercheleistung und ihrer versierten Darstellung überzeugend vermittelt.

Sonderpreis
Mithu M. Sanyal
„A, B, ...Oops! Der Alphabet-Effekt
von den Hieroglyphen bis heute“ (Beitrag auf WDR 5, „Scala“, 08. September 2000)

Vom Buchstaben-Sketch aus der Sesamstraße bis hin zu Marshal Mc Luhans Medientheorie: Der Radiobeitrag der Journalistin Mithu M. Sanyal ist eine faszinierende Collage über die universelle Bedeutung von Schrift und Alphabet. Mit Beispielen aus 4000 Jahren Kulturgeschichte hinterfragt sie auf humorvolle und engagierte Weise die pauschale Prophezeiung vom „Ende der Gutenberg-Galaxis“. Dabei macht sie auf überzeugende Weise deutlich, dass diese Galaxie zu keiner Zeit ein statisches Gebilde war, sondern sich bis heute immer radikal veränderte.

Die ersten Preisträger in Berlin mit dem Bundespräsidenten Johannes



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