Statement – Seit 2011 setzen wir mit dem Bundesbildungsministerium – aktuell das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend – das Programm Lesestart 1-2-3 um. Das Programm richtet sich an Eltern mit 1-, 2- und 3-jährigen Kindern, die in teilnehmenden Kinderarztpraxen und Büchereien Buchgeschenke sowie Tipps zum Vorlesen und dem Aufbauen einer Vorleseroutine erhalten.
Damit soll nun Schluss sein. Uns wurde gespiegelt, dass die Förderung aus Spar- und Bürokratiegründen nach 15 Jahren nicht mehr möglich sei, obwohl wir gemeinsam ein starkes und sehr gut aufgestelltes Netzwerk aufbauen konnten, das Familien nachhaltig dabei hilft, mehr vorzulesen. Durch die Unterstützung der Vorgängerkoalition konnten wir seit 2024 sogar eine Vollausstattung für Kinder gewährleisten, sodass dieser wertvolle Vorleseimpuls wirklich in jeder Familie ankommen kann – ohne, dass in der Arztpraxis vorher abgewogen werden muss, wer ein Set erhalten darf und wer nicht.
Wir wissen, dass die Übergabe der Sets dazu genutzt wird, um Familien über die Vorteile des Vorlesens aufzuklären und ihnen Hilfestellungen gibt. Nahezu alle Eltern, die ihrem Kind vor Erhalt des ersten Sets noch nicht vorgelesen haben, tun dies vier bis sechseinhalb Wochen nach Erhalt. Das Projekt bringt also nicht nur mehr Vorlesestoff in die Familien, sondern echten Wandel.
Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen
„Wir können mit etwa 2,5 Millionen Euro pro Geburtskohorte und pro Jahrgang alle Familien unterstützen. Das ist kein großes Budget, vor allem wenn wir die Folgen bedenken, wenn wir es nicht tun. Denn wir wissen, dass das Entwickeln von Sprach- und Lesekompetenz und die Bildungschancen in Deutschland ganz eng mit dem Elternhaus verknüpft sind. Deswegen sind wir davon überzeugt, dass es ein Programm wie Lesestart 1-2-3 unbedingt in Deutschland braucht. Vorlesen ist weit mehr als eine gute Zeit in den Familien, es fördert die gesamte Entwicklung von Kindern. Dazu legt es die Grundlage dafür, dass Kinder leichter lesen lernen und das ist eine Fähigkeit für das ganze Leben – insbesondere auch für die Bildung.“
Warum die Förderung bei den Einjährigen beginnt
Vorleseroutinen müssen von Anfang an in die Familien getragen werden, damit sie zur gelebten Praxis werden. Deswegen beginnt das Programm bei den Einjährigen. Wir wissen, dass wir über Kinderarztpraxen alle Familien erreichen und durch die Verlängerung in die Bücherei nicht nur die regionalen Strukturen stärken, sondern auch dafür sorgen, dass kostengünstige Alternativen für weiteres Lesematerial überhaupt in den Köpfen der Menschen sind. Das sind auch die Gründe, warum das Ministerium das Projekt mit uns umgesetzt hat – mit jahrelangem, großem Erfolg.
Nicht umsonst haben andere europäische Länder nach dem deutschen Erfolgsmodell auch Programme in den eigenen Ländern entwickelt und umgesetzt. Wir dürfen nicht aus Spargründen auf eine Förderung für Familien verzichten, die gerade in der aktuellen Lesekrise zentrale Impulse für die Zukunft setzen kann. Das ist aus unserer Sicht der falsche Weg. Wir kämpfen in jedem Fall weiter für das Angebot, damit jedes Kind die Chance hat, vorgelesen zu bekommen.
Buchgeschenke in Kinder- und Jugendarztpraxen: Warum sie wichtig sind und was sie bringen
Weichen gestellt: Buchgeschenke für alle ein- bis dreijährigen Kinder in Deutschland
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