Illustration einer fantasievollen Meereswelt mit Wal, Oktopus, Boot, Narwal und Krokodil, die aus aufgeschlagenen Büchern hervorgeht und die Magie des Lesens symbolisiert.

Ich lese vor – du auch?

Vorlesen macht Kinder stark – in jeder Sprache.

Ganz egal ob auf Deutsch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch, Farsi, Polnisch, einer anderen Sprache oder alle gleichzeitig: Wer Kindern vorliest, schenkt ihnen nicht nur Zeit, Nähe und Aufmerksamkeit, sondern fördert ihre gesamte Entwicklung. Das gemeinsame Entdecken von Geschichten hilft ihnen, Wörter zu entdecken, sich selbst und die Welt um sie herum zu verstehen, Fragen zu stellen und Lust aufs Selbstlesen zu entwickeln.

Wer vorliest zeigt Kindern: Lesen gehört zum alltäglichen Leben – und ist damit ein wichtiges Vorbild. 

Mach mit: Werde Vorlese-Vorbild

Vorlesen braucht keine perfekte Vorbereitung. Es braucht Menschen, die anfangen. Menschen, die Kindern zeigen: Geschichten gehören zu uns. Sprache verbindet. Lesen macht stark. Vorbilder ermutigen und zeigen uns, was möglich ist. Auch Kinder schauen sich viel von Erwachsenen und älteren Kindern ab. Das gilt genauso fürs Lesen. Wenn sie erleben, dass Eltern, Großeltern, Geschwister, Erzieher*innen, Lehrkräfte, freiwillig Engagierte oder bekannte Persönlichkeiten vorlesen, wird Lesen für sie jeden Tag sichtbar und selbstverständlich.

Vorlese-Vorbilder stärken Kindern, weil sie vorlesen – und leisten noch viel mehr. Sie zeigen, dass Geschichten wertvoll sind. Sie machen Inhalte lebendig, erklären Wörter, stellen Fragen, kommen mit den Kindern ins Gespräch und verbinden Geschichten mit dem Alltag der Kinder.

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Vorlesen ist für alle. In jeder Sprache

Vorbilder sprechen viele Sprachen. Vorlesen in der eigenen Sprache zeigt Kindern, dass ihre Familiensprache wertvoll ist. Es zeigt: Meine Geschichte zählt. Ich darf mit allen meinen Sprachen wachsen. Gleichzeitig hilft Vorlesen in der Familiensprache Kindern dabei, Wörter, Gefühle und Zusammenhänge besser zu verstehen. Das stärkt insgesamt die Sprachentwicklung und Kinder in ihrer Persönlichkeit. 

Schon gewusst: Wenn Kinder eine Erstsprache gut beherrschen, fällt ihnen das Lernen einer weiteren Sprache leichter. Das hilft Kindern auch beim Deutschlernen: Wenn ihre Erstsprache wertgeschätzt wird und sie Freude daran haben, stärkt das ihre Lust, weitere Sprachen zu lernen. Wird die Erstsprache dagegen abgewertet oder ignoriert, kann das Kinder verunsichern und ihre Sprachentwicklung erschweren.

Entdecke mehrsprachige Geschichten

Vorlesesituation: Mann liest einer Gruppe von Kindern aus einem Kamishibai vor
© Jonathan Kaiser

Einfach anfangen

Viele denken beim Vorlesen an lange Geschichten, ruhige Kinderzimmer und perfekte Vorlesestimmen. In Wirklichkeit ist Vorlesen einfach. Es ist ruhig, es ist laut, es ist chaotisch und vor allem eins: eine gute Zeit. Tipp: Lieber kurz und regelmäßig vorlesen, als wegen zu hoher Ansprüche gar nicht anzufangen – zu Hause in der Familie oder als freiwilliges Engagement zum Beispiel zum Bundesweiten Vorlesetag.

Vorlesesituation mit Kindern
© Stiftung Lesen/Jonathan Kaiser

Warum unsere Lesebotschafter*innen Vorlese-Vorbilder sind

Für die Kampagne machen verschiedene Vorbilder sichtbar, was sie verbindet: Sie lesen vor. Und sie fragen: Du auch? Unsere Lesebotschafter*innen unterstützen die zentrale Botschaft der Kampagne: „Vorlesen macht Kinder stark – in jeder Sprache.“ Bewusst auch mehrsprachig. Es zeigt Vorlesen ist vielfältig, persönlich und überall möglich. 

Erfahre, wie Vorlesen und Sprache das Leben von ihnen beeinflusst hat:

Warum Vorlesen so wichtig ist

Vorlesen ist einer der einfachsten Wege, Kinder in ihrer Entwicklung zu stärken. Schon wenige Minuten am Tag können einen Unterschied machen. Kinder hören neue Wörter, erleben Satzmelodien, entdecken Bilder und Geschichten und merken: Bücher, Sprache und Geschichten machen Spaß.

Beim Vorlesen entsteht außerdem Nähe. Kinder spüren: Jemand nimmt sich Zeit für mich. Diese gemeinsame Zeit macht Mut, regt die Fantasie an und kann Kindern helfen, sich selbst und die Welt besser zu verstehen.

Vorlesen unterstützt Kinder besonders dabei:

  • Sprache zu entwickeln, weil sie neue Wörter, Satzstrukturen und Ausdrucksweisen kennenlernen.
  • Konzentration und Fantasie zu stärken, weil sie Geschichten folgen, Bilder deuten und sich eigene Vorstellungen machen.
  • Freude am Lesen aufzubauen, weil sie Lesen mit positiven Momenten verbinden und neugierig auf Geschichten werden.
  • Selbstvertrauen zu gewinnen, weil sie Fragen stellen, mitreden, eigene Gedanken einbringen dürfen und sich selbst aber auch ihre Umgebung durch die vielen unterschiedlichen Figuren und deren Gefühle und Abendteuer selbst besser verstehen.
  • später leichter lesen zu lernen, weil sie einen größeren Wortschatz haben und ein Gefühl für Sprache. Außerdem wissen sie, warum sie es tun – um noch mehr Geschichten zu entdecken.

Vorlesen in der Familie

In der Familie entstehen die ersten und oft wichtigsten Vorlesemomente. Ob morgens beim Frühstück, unterwegs in der Bahn, nachmittags auf dem Teppich oder abends vor dem Schlafengehen: Vorlesen kann ein Ritual werden, das Kindern Sicherheit gibt. Dazu ist es ein echter Alltagshack. Kinder haben viele Fragen, auf die auch Erwachsene nicht immer direkt die Antworten haben. Es gibt aber zahlreiche Bücher, die ganz unterschiedliche Themen behandeln. Warum also nicht gemeinsam die Antworten finden?

Für das Vorlesen braucht es keine Übung oder besondere Schauspielfähigkeit. Wer mit einem Kind über Bilder spricht, eine Geschichte erzählt oder ein Lieblingsbuch immer wieder anschaut, macht bereits sehr viel richtig.

Dein Kind liebt immer dasselbe Buch? Wunderbar. Wiederholungen helfen Kindern, Wörter und Zusammenhänge zu verstehen.

Dein Kind bleibt nicht lange sitzen? Kein Problem. Bewegung, Fragen und Unterbrechungen gehören dazu. Binde Aktionsmomente ins Vorlesen ein und lass dein Kind zum Beispiel mit aufstampfen, wenn die Elefanten unterwegs sind.

Du bist unsicher beim Vorlesen? Lies so, wie du sprichst. Deine vertraute Stimme ist für dein Kind wichtiger als jede perfekte Betonung.

Fünf Tipps für den Vorlese-Alltag

Aller Anfang ist schwer – das kann auch für die Vorleseroutine gelten. Wir haben fünf Tipp, wie Vorlesen einen Platz in jedem Alltag findet. Halte dir immer vor Augen: nichts und niemand ist perfekt. Und wenn es mal nicht funktionieren will, dann klappt es morgen.

1. Fang klein an.
Lieber kurz und regelmäßig vorlesen als lang und dafür gar nicht. Zehn Minuten reichen oft schon. Ein kurzer Moment ist besser als gar keiner.

2. Lass dein Kind mitentscheiden.
Kinder hören besonders gern zu, wenn sie das Buch, Thema oder Bild selbst auswählen dürfen. Hat es Lieblingsheld*innen oder -tiere? Dann starte mit einer Geschichte zu diesen Figuren.

3. Sprich über die Geschichte.
Fragen wie „Was glaubst du, passiert jetzt?“ oder „Kennst du das auch?“ machen Kinder aktiv und regen die Sprache an.

4. Lies in deiner Sprache.
Deutsch, Türkisch, Arabisch, Ukrainisch, Polnisch, Englisch, Kurdisch oder jede andere Sprache: Entscheidend ist die gemeinsame Zeit.

5. Mach es dir leicht.
Du musst keine perfekte Stimme haben. Kinder brauchen keine Show. Sie brauchen dich.

Freiwillig vorlesen: Dein Engagement zählt

Vorlesen wirkt nicht nur in der eigenen Familie. Viele Kinder freuen sich über Menschen, die ihnen Zeit und Geschichten schenken: in Kitas, Schulen, Bibliotheken, Familienzentren, Stadtteiltreffs oder bei Aktionen wie dem Bundesweiten Vorlesetag.

Freiwilliges Vorlesen ist eine einfache und wirkungsvolle Möglichkeit, Kinder zu stärken. Du brauchst dafür keine pädagogische Ausbildung. Wichtig sind Freude an Geschichten, Offenheit und die Bereitschaft, Kindern zuzuhören. Alles, was du sonst wissen musst, erfährst du im Engagementportal der Stiftung Lesen. Hier findest du Tipps für deine erste Vorleseaktion und kannst nach Leseinitiativen und Vorleseorten in deiner Nähe suchen.

Übrigens: Besonders wertvoll ist freiwilliges Vorlesen dort, wo Kinder im Alltag wenig Zugang zu Büchern oder Vorlesemomenten haben. Als Vorleser*in kannst du zeigen: Geschichten sind für dich da. Du darfst fragen, staunen, lachen und mitreden. Und dein Engagement wirkt nachhaltig. Der Vorlesemonitor zeigt: Wurde Kindern vorgelesen, lesen sie später als Eltern mit höherer Wahrscheinlichkeit auch vor.

Werde Vorlese-Vorbild – einmalig, regelmäßig oder beim Bundesweiten Vorlesetag.

Bundesweiter Vorlesetag: Gemeinsam ein Zeichen setzen

„Ich lese vor – du auch?“ ist mehr als eine Kampagne. Es ist ein Statement und Aufruf zugleich, um sich zu engagieren, regelmäßig oder punktuell zum Bundesweiten Vorlesetag. Der Bundesweite Vorlesetag ist Deutschlands großes Vorlesefest. Jedes Jahr lesen am dritten Freitag im November Menschen im ganzen Land Kindern vor: in Kitas, Schulen, Bibliotheken, Buchhandlungen, Vereinen, Unternehmen, Rathäusern und an vielen weiteren Orten.

Der Aktionstag lädt dazu ein, selbst das freiwillige Engagement zu entdecken und mit uns ein Zeichen für Kinder zu setzen. Ob du einer kleinen Gruppe vorliest, eine Aktion in deiner Einrichtung organisierst oder dein Unternehmen zum Mitmachen motivierst: Jede Vorleseaktion macht sichtbar, wie wichtig Geschichten für Kinder sind.

Du kannst alleine vorlesen, gemeinsam mit Kolleg*innen eine Aktion starten oder Menschen aus deinem Umfeld einladen, mitzumachen. Besonders schön: Vorleseaktionen können auch mehrsprachig stattfinden.

Mehrsprachig vorlesen: Tipps für Familien und Engagierte

Mehrsprachiges Vorlesen muss nicht kompliziert sein. Es darf lebendig, gemischt und alltagsnah sein. Entscheidend ist nicht, dass alles perfekt klingt, sondern dass Kinder Sprache, Geschichten und gemeinsame Zeit erleben. Wer in der Sprache vorliest, in der er oder sie sich wohlfühlt, schafft Nähe und Sicherheit.

Gerade für mehrsprachig aufwachsende Kinder ist es wichtig, dass ihre Familiensprache sichtbar und wertgeschätzt wird. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und hilft ihnen auch beim Deutschlernen: Wenn Kinder merken, dass ihre Erstsprache wichtig ist und dazugehört, entwickeln sie mehr Freude daran, Sprache insgesamt zu entdecken.

Mehrsprachiges Vorlesen kann ganz unterschiedlich aussehen: Eltern können ein Buch in ihrer Familiensprache vorlesen, Bilder gemeinsam beschreiben oder eine deutsche Geschichte frei in einer anderen Sprache erzählen. Auch ein Wechsel zwischen mehreren Sprachen ist erlaubt. Kinder dürfen Wörter vergleichen, Fragen stellen und erzählen, wie etwas bei ihnen zu Hause heißt.

Auch freiwillig Engagierte können Mehrsprachigkeit einbeziehen, selbst wenn sie die Sprachen der Kinder nicht sprechen. Schon kleine Gesten zeigen Wertschätzung: nach Wörtern in anderen Sprachen fragen, Kinder Begriffe übersetzen lassen oder mehrsprachige Bücher und Lieder einbinden. So erleben Kinder: Meine Sprache ist willkommen. Meine Geschichte zählt.

Mehrsprachig vorlesen – so geht es:

  • Lies in der Sprache, in der du dich sicher fühlst
  • Beschreibe Bilder gemeinsam mit dem Kind
  • Erzähle Geschichten frei nach, wenn das leichter ist
  • Wechsle zwischen Sprachen, wenn es natürlich passiert
  • Frage Kinder, wie Wörter in ihrer Sprache heißen
  • Nutze mehrsprachige Bücher, Lieder, Reime oder Familiengeschichten
  • Zeige: Jede Sprache ist willkommen


Mehrsprachiges Vorlesen – Warum?

Mehrsprachiges Vorlesen – Wie geht das?

 

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