Pressemeldung – Was passiert, wenn das Lesen längerer Texte an Bedeutung verliert oder gezielt komplizierte Schreib- und Sprachstile Menschen vom Lesen abhalten? Die Preisträger*innen des Dietrich-Oppenberg-Medienpreises 2026 geben auf solche Fragen kluge, kritische und überraschende Antworten. Der Preis wird von der Stiftung Lesen und der Stiftung Presse-Haus NRZ vergeben und zeichnet journalistische Beiträge aus, die sich mit den Lesefragen unserer Zeit beschäftigen. Im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus erhält Jakob Schrenk den ersten Platz für „Das Ertrinken im Redefluss“. Anant Agarwala und Martin Spiewak gewinnen mit „Ein Buch lesen? Ganz?!“ den zweiten und Mareike Knoke mit „Verstehen Sie Behördendeutsch?“ den dritten Preis. Der Sonderpreis geht an „Das literarische Quartett“ von Tanja und Johannes Beetz. Der Dietrich-Oppenberg-Medienpreis ist mit 6.000 Euro dotiert.
Voice-Messages statt Textnachrichten, KI-Zusammenfassungen statt vollständiger Bücher und Behördenschreiben, die viele Menschen nicht verstehen: Die ausgezeichneten Beiträge des Dietrich-Oppenberg-Medienpreises 2026 zeigen, wie sehr sich unser Umgang mit Texten verändert und was das für Bildung, Alltag und Demokratie bedeutet. Gleichzeitig verdeutlichen sie, wie eine Einladung in die Welt des Lesens aussehen kann. Überreicht wurden die Preise von Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, und Heinrich Meyer, Vorstand der Stiftung Presse-Haus NRZ. Anna Stolz, Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, eröffnete die Veranstaltung im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus in München: „Lesen ist ein Schlüssel zu Teilhabe und Bildungserfolg. Sich informieren zu können, Zusammenhänge zu erkennen und eine eigene Meinung zu entwickeln, ist weit mehr als ein Bildungsthema – Lesekompetenz ist Grundvoraussetzung für eine lebendige Demokratie. Die ausgezeichneten Beiträge zeigen eindrucksvoll, wie entscheidend Lesen und eine verständliche Sprache gerade heute sind.“
„Unsere Preisträgerinnen und Preisträger zeigen die Bandbreite des Lesens auf. Sie machen einerseits Lust aufs Lesen und beleuchten andererseits, wie Lesen unseren Alltag und unser Denken prägt. Das fasst unseren gesellschaftlichen Auftrag gut zusammen: Wir brauchen mehr Investitionen, um Lesefreude und -kultur zu fördern und damit vor allem die Lesekompetenz zu stärken. Das ist die Grundlage für ein zukunftsfähiges Miteinander“, betont Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen.
„Guter Journalismus hilft uns, eine immer komplexere Welt zu verstehen. Er prüft Fakten, ordnet Entwicklungen ein und macht unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Die ausgezeichneten Beiträge zeigen eindrucksvoll, wie Journalismus die Bedeutung des Lesens ins öffentliche Bewusstsein rückt und damit selbst zu einer informierten und freien Gesellschaft beiträgt“ ergänzt Heinrich Meyer, Vorstand der Stiftung Presse-Haus NRZ.
Erster Preis: Was die neue Mündlichkeit mit unserem Denken macht
Den mit 2.500 Euro dotierten ersten Platz erhält Jakob Schrenk für seinen Beitrag „Das Ertrinken im Redefluss“, erschienen am 30. Mai 2025 im Süddeutsche Zeitung Magazin. Ausgehend von Voice-Messages, Podcasts und Sprachassistenten untersucht Schrenk, was geschieht, wenn immer mehr gesprochen, aber immer weniger gelesen und geschrieben wird. Der Beitrag verbindet Mediengeschichte, Bildungsforschung, Politik und persönliche Beobachtungen. Er zeigt, was Lesen als Fähigkeit auszeichnet: Es schafft Zeit zum Nachdenken, hilft dabei, komplexe Gedanken zu entwickeln, und ermöglicht eine sachliche Auseinandersetzung. Schrenk beschreibt die Veränderungen weder nostalgisch noch technikfeindlich. Stattdessen fragt er, was die Gesellschaft gewinnen und was sie verlieren könnte, wenn das geschriebene Wort an Bedeutung einbüßt.
Zweiter Preis: Wenn selbst Studierende keine ganzen Bücher mehr lesen
Anant Agarwala und Martin Spiewak erhalten den mit 1.500 Euro dotierten zweiten Preis für „Ein Buch lesen? Ganz?!“, erschienen am 30. April 2025 in DIE ZEIT. Der Beitrag untersucht, warum selbst an Hochschulen umfangreiche Texte zunehmend seltener vollständig gelesen werden. Gespräche mit Professor*innen, Beobachtungen aus Lehrveranstaltungen und wissenschaftliche Erkenntnisse fügen sich zu einem differenzierten Bild. Dabei wird deutlich: Lesen bedeutet mehr als die Aufnahme von Informationen. Es hilft, Argumente zu prüfen, Zusammenhänge zu erkennen und andere Perspektiven nachzuvollziehen. Der Beitrag macht zugleich Mut, konzentriertes Lesen wieder stärker einzuüben – auch durch den bewussten Umgang mit digitalen Geräten und künstlicher Intelligenz.
Dritter Preis: Verständliche Sprache ist eine demokratische Frage
Der mit 1.000 Euro dotierte dritte Preis geht an Mareike Knoke für „Deutsche Sprache – Verstehen Sie Behördendeutsch?“, erschienen am 19. September 2025 bei Spektrum der Wissenschaft. Knoke widmet sich einer Erfahrung, die viele Menschen kennen: Amtliche Schreiben, Verordnungen und Fachtexte sind oft schwer zu verstehen. Anhand konkreter Beispiele und mit Einschätzungen aus Wissenschaft und Praxis zeigt sie, warum Institutionen häufig so kommunizieren, dass ausgerechnet diejenigen nicht erreicht werden, für die ihre Informationen bestimmt sind. Dabei macht sie auch darauf aufmerksam, wie Sprach- und Schreibstile gezielt dafür genutzt werden, um Menschen von Informationen auszuschließen. Der Beitrag macht deutlich: Wer wichtige Schreiben nicht versteht, kann Entscheidungen schlechter nachvollziehen, die eigenen Interessen schwerer vertreten und seltener mitreden. Verständlich zu schreiben ist deshalb nicht nur eine Stilfrage, sondern auch eine Frage des Respekts.
Sonderpreis: Vier Bücher, keine Berührungsängste
Tanja und Johannes Beetz erhalten den mit 1.000 Euro dotierten Sonderpreis für ihre Serie „Das literarische Quartett“, erschienen zwischen dem 15. Juli und dem 24. Dezember 2025 im Münchner Wochenblatt. In mehr als 30 Folgen stellen sie jeweils vier Titel aus öffentlichen Bücherschränken in München vor. Sie widmen Büchern, die andere vielleicht achtlos stehen lassen würden, dieselbe Aufmerksamkeit wie Bestsellern und Klassikern. Mit Witz und Leichtigkeit verbinden sie Literatur und Alltag, bauen Berührungsängste ab und machen unmittelbar Lust aufs Lesen.
Der Dietrich-Oppenberg-Medienpreis
Der Dietrich-Oppenberg-Medienpreis ist nach dem im Jahr 2000 verstorbenen Gründer und langjährigen Herausgeber der NRZ Neue Ruhr Zeitung/Neue Rhein Zeitung in Essen, Dietrich Oppenberg, benannt. Mit der Auszeichnung setzen sich die Stiftung Lesen und die Stiftung Presse-Haus NRZ für die Bedeutung des Lesens in einer freien Gesellschaft und für eine lebendige Zeitungskultur ein. Der Preis ist mit insgesamt 6.000 Euro dotiert. Die drei Hauptpreise sind mit 2.500 Euro, 1.500 Euro und 1.000 Euro ausgestattet. Hinzu kommt ein Sonderpreis in Höhe von 1.000 Euro. Mehr Informationen und alle bisherigen Preisträger*innen: www.stiftunglesen.de/oppenberg-medienpreis
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