Vorlesemonitor 2026: Vorlesen wird beliebter bei Eltern

| Pressemeldung

Eine Gruppe von Kindern sitzt im Kreis um eine erwachsene Person, die ein bunt illustriertes Bilderbuch aufgeschlagen hält. Die Aufnahme aus der Vogelperspektive zeigt, wie die Kinder gemeinsam die Bilder betrachten und einer Vorlesegeschichte folgen.

© Michelle Jekel

Pressemeldung – Vorlesen liegt im Trend: Vor allem Eltern von ein, zwei- und achtjährigen Kindern lesen deutlich mehr vor. Das zeigen die Ergebnisse des Vorlesemonitors 2026 von Deutsche Bahn Stiftung, Stiftung Lesen und DIE ZEIT. Die Zahl aller Eltern von Kindern im Alter von eins bis acht Jahren, die mindestens mehrmals in der Woche vorlesen, ist insgesamt von 67,7 Prozent (2024) auf 76,4 Prozent (2026) gestiegen. Damit setzt sich der Positivtrend seit 2022 fort. Die Studie zum Vorleseverhalten wird 2026 erstmals in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Timm Albers, Professor für Inklusive Pädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Lesen sowie Sarah Meusel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der AG Inklusive Pädagogik an der Universität Paderborn, veröffentlicht. Die Botschaft der Ergebnisse: Wenn Politik und Gesellschaft an einem Strang ziehen, kann sich etwas verändern. 

Der Vorlesemonitor begleitet seit 2007 als etablierte Bildungsstudie den Bundesweiten Vorlesetag – den größten Aktionstag, der auf die Wichtigkeit des Vorlesens aufmerksam macht. Für die Studie wurden in diesem Jahr 914 Eltern von ein- bis achtjährigen Kindern zu ihrem Vorleseverhalten befragt. Besonders erfreulich: Vor allem Eltern von ein- und zweijährigen Kindern, die im Jahr 2024 deutlich weniger vorgelesen haben, konnten für das Vorlesen begeistert werden. „Diese Entwicklung ist besonders erfreulich, da viele Kinder in der Altersgruppe noch keine Kita besuchen“, betont Prof. Dr. Albers. „Gerade die frühkindliche Entwicklung ist aber besonders prägend und legt viele Grundlagen für die Sprache, Persönlichkeit und das spätere Lesenlernen. Dass wieder mehr Eltern vor allem den Kleinkindern vorlesen, ist ein Signal, das Mut macht in der aktuellen Lesekrise.“ Die Vorlesepraxis von Eltern ein- bis zweijähriger Kinder hat sich im Vergleich zu 2024 um 16 bzw. 15 Prozentpunkte verbessert. Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, ergänzt: „Für die Ein- und Zweijährigen halte ich die Buchgeschenke und Vorleseimpulse über die Kinderarztpraxen für wichtige Treiber. Im Gegensatz zu den Vorjahren konnten wir mit Lesestart 1-2-3 seit 2024 alle Familien mit Kindern in der Altersgruppe mit Buchgeschenken versorgen, ohne dass die am Programm teilnehmende Kinderarztpraxen die Familien auswählen mussten. Umso unverständlicher finde ich, dass dieser Zugang vom Bundesbildungsministerium in Zukunft nicht weiter genutzt wird.“

Vorleseroutine sorgt für Gesprächsanlässe

Der Vorlesemonitor zeigt, dass 41 Prozent der Eltern mit regelmäßiger Vorleseerfahrung die Zeit oft für gemeinsame Gespräche mit den Kindern nutzen – wesentlich häufiger als Eltern, die seltener vorlesen. Nur 20 Prozent von ihnen geben an, mit ihren Kindern beim Vorlesen oft ins Gespräch zu gehen. „Die Ergebnisse zeigen, wie wertvoll Routinen sind. Denn genau solche Gesprächsanlässe unterscheiden das Vorlesen von anderen Hörmedien“, unterstreicht Albers. „Beim Vorlesen können Eltern ihre Kinder zum Sprechen ermutigen und damit ganz nebenbei den Wortschatz und das Sprachverständnis stärken. Das schafft keine Musikbox und auch kein Hörbuch.“ Damit bestärkt der Bildungsforscher die Position der Stiftung Lesen, dass Vorlesen alles andere als eine stille Zeit für Kinder sein soll. Vorlesen ist eine Zeit, um gemeinsam Geschichten zu entdecken, zu Lernen und Spaß zu haben. Diese Vorlesezeit stärkt zudem die Bindung zwischen Eltern und Kindern.

Vorlesen braucht Vorbilder

Die Bildungskluft, die sich durch die gesamte Lesekrise zieht, beginnt bereits beim Vorlesen. 80 Prozent der Eltern mit formal höherem Bildungsgrad lesen regelmäßig vor, während dies nur 70 Prozent der Eltern mit formal niedriger Bildung tun. Diese Bildungskluft besteht vor allem bei Eltern ohne Zuwanderungsgeschichte. Bei Eltern mit Zuwanderungsgeschichte hat der Bildungshintergrund keinen so deutlichen Einfluss, wenngleich auch hier Eltern mit formal geringerer Bildung die größte Gruppe der Nie-Vorlesenden bilden. „Aus vergangenen Erhebungen wissen wir, dass die eigenen Vorleseerfahrungen genau diese Bildungskluft überbrücken können“, ordnet Albers die Ergebnisse ein. „Positive Erfahrungen wie beim Bundesweiten Vorlesetag, Ermutigungen über die Kita und Aufklärungsarbeit über Multiplikator*innen sind wichtig, um den Positivtrend langfristig beizubehalten.“

Vorlesen muss sich weiter verankern

Die positiven Ergebnisse zeigen, dass der Fokus auf das Thema Vorlesen in den letzten Jahren Früchte trägt, jetzt aber nicht nachgelassen werden darf. „Die Ergebnisse motivieren, aber wir dürfen nicht vergessen, dass fast einem Viertel der Kinder noch immer die wichtigen Vorleseerfahrungen fehlen“, mahnt Dr. Jörg F. Maas. „Dazu gibt es jeden Tag neue Eltern, die erfahren müssen, wie wichtig Vorlesen für die Entwicklung ihres Kindes ist. Das bedeutet: Nur weil der Trend stimmt, ist unser Auftrag nicht beendet.“ Die Initiatorinnen der Studie und des Bundesweiten Vorlesetages – Deutsche Bahn Stiftung, Stiftung Lesen und DIE ZEIT – rufen dazu auf, die Freude am Vorlesen weiterzutragen. Buchgeschenke können zum Beispiel dabei helfen, dass mehr Familien vorlesen. Denn Familien in denen selten vorgelesen wird, mangelt es häufig an Vorlesematerial. Parallel ist der Bedarf an Lesematerial an Schulen und Kitas enorm. Wer sich zudem freiwillig engagieren möchte, kann das zum Bundesweiten Vorlesetag am 20. November.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

  • 76,4 Prozent der Eltern von ein- bis achtjährigen Kindern lesen mindestens mehrmals in der Woche vor (vgl. 2024: 67,7 Prozent).
  • 23,6 Prozent der Eltern von ein- bis achtjährigen Kindern lesen seltener als einmal in der Woche vor, 12,4 Prozent von ihnen nie (vgl. 2024: 32,3 Prozent; 18,4 Prozent „nie“).
  • Vor allem Eltern von ein-, zwei- und achtjährigen Kindern lesen deutlich mehr vor (Einjährige 2026: 75 Prozent vs. 59 Prozent in 2024; Zweijährige 2026: 93 Prozent vs. 78 Prozent in 2024; Achtjährige 2026: 55 Prozent vs. 35 Prozent in 2024).
  • Vorleseroutine sorgt für mehr Sprachimpulse und stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kindern. Eltern, die regelmäßig vorlesen, kommen häufiger über das Vorlesen mit ihren Kindern ins Gespräch (41 Prozent „oft“) als Eltern ohne diese regelmäßige Erfahrung (20 Prozent „oft“). Das dialogische Vorlesen ist für Kinder besonders vorteilhaft.
  • Beliebte Alternativen zum Vorlesen sind Hörbücher und -spiele hören (62 Prozent), spielen oder mit Spielsteinen bauen (42,1 Prozent) und herumalbern (29,6 Prozent).

Bundesweiter Vorlesetag am 20. November 2026

Der Bundesweite Vorlesetag ist eine gemeinsame Initiative von Deutsche Bahn Stiftung, Stiftung Lesen und DIE ZEIT und setzt seit 2004 jedes Jahr am dritten Freitag im November ein Zeichen für das Vorlesen. Ziel ist es, Kinder und Erwachsene für das Vorlesen zu begeistern und Menschen für ein freiwilliges Engagement in der Leseförderung zu gewinnen. Denn Vorlesen hilft Kindern dabei, selbst gut lesen zu lernen. Verlängert wird der Bundesweite Vorlesetag mit dem Digitalen Vorlesefest, das Kindern mit Vorlesevideos ortsunabhängigen Zugang zu spannenden Geschichten bietet. Mittlerweile ist der Bundesweite Vorlesetag Deutschlands größtes Vorlesefest: www.vorlesetag.de.

Über den Vorlesemonitor

Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, haben besonders gute Startchancen. Sie haben früh einen größeren Wortschatz, lernen leichter lesen, sind einfühlsamer und haben in vielen Fächern bessere Schulnoten. Seit 2007 erfassen die Initiatorinnen das bundesweite Vorleseverhalten. Ein vergleichbarer Fragenkatalog ermöglicht seit 2022 zudem die Beobachtung von (Vor-)Leseverhalten bei Kindern im Alter von ein bis acht Jahren. Durch die Befragung von über 800 Eltern gibt der Vorlesemonitor einen repräsentativen Aufschluss über die Vorlesepraxis in Familien. 

 

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Kontakt

Laura Trost

Leiterin Marketing und Kommunikation

Tel.: 06131-28890-69

laura.trost@stiftunglesen.de

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